BEGINN UND ENDE DER GARTENSAISON – HOCHSAISON FÜR DEN ORTHOPÄDEN

Der Beginn und das Ende der Gartensaison bedeutet die Hochsaison für den Orthopäden. Viele orthopädische Erkrankungen werden durch die Gartenarbeit aktiv.

Wir möchten Ihnen zeigen, wie sie schmerzfrei Spaß an der Gartenarbeit haben und die Früchte ihrer Arbeit genießen können.

Hätten Sie es gewusst?

Gartenarbeit bringt nicht nur Spaß, sondern ist (wissenschaftlich erwiesen) auch gesund. So fördert sie das Herz-Kreislaufsystem, kräftigt die Muskeln, beugt Osteoporose vor und stärkt die Psyche. Menschen, die regelmäßig im Garten arbeiten sind zufriedener und ausgeglichener. Der großé Vorteil dabei ist, sie können Ihre Früchte auch noch ernten, indem sie sich z.B. mit ihren selbstständig angebauten Vitaminen wie Obst und Gemüse gesund ernähren.

Damit der grüne orthopädische Daumen auch nach oben zeigt, sollten 5 Grundregeln eingehalten werden:

1. Erkrankung

Führen sie keine Gartenarbeit bei einer bestehenden Erkrankung oder kurz nach einer Erkrankung wie z.B. Erkältung oder Grippe durch.

2. Kleidung

Achten sie auf funktionelle, atmungsaktive Kleidung, damit nicht z.B. durch eine Verdunstungskälte die Rückenmuskulatur verhärtet und Schmerzen bereitet.
Tragen sie festes, sicheres Schuhwerk, Gartenhandschuhe, um sich vor Stich-, Schnittverletzungen zuschützen, und vergessen sie nicht den Sonnenschutz (z. B. Kopfbedeckung, Sonnencreme z. B. Faktor 30 etc.).
Überprüfen sie ihren Teatanusschutz und ggf. lassen sie sich gegen die Frühjahr- Sommer -Meningo- Encephalitis ( kurz FSME genannt ) impfen.

3. Aufwärmen hilft ungemein!

Wärmen sie durch Lockerungsübungen speziell die Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenke sowie die Wirbelsäule, die Rückenmuskulatur und die Kniegelenke auf. Es genügen dafür 2-3 Minuten.

4. Teilen sie sich vorher ein, was und wie sie an einem Tag im Garten machen wollen!

Achten Sie darauf:
Auch Rom wurde nicht an einem Tag erschaffen. D.h. teilen sie sich Ihre Arbeit vorher ein, indem sie selbstkritisch Ihren Gesundheitszustand und ihr Alter berücksichtigen. Beachten sie, dass sie bei keiner Tätigkeit länger in einer Position verharren, sondern die Arbeit so organisieren, dass sie in wechselnden Positionen durchgeführt wird. Verschnaufpausen sind dabei genauso wichtig wie die Arbeit selbst.

5. Sparen Sie nicht am falschen Ende!

Nutzen sie arbeitsergonomische Gartengeräte wie z.B. teleskopartiger Stil (Familienmitglieder sind unterschiedlich groß), arbeitsergonomische Handgriffe wie z.B. bei Heckenscheren, weitere Hilfsmittel wie z. B. Kniehocker, Knieschoner, Elektrogeräte, Hochbeet, Schubkarre etc.

Brennpunkt Rücken

Durch einseitige Tätigkeiten mit und ohne Zwangshaltung kommt es häufig zu:

1. Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke im Bereich der Hals-, Brust- und/oder Lendenwirbelsäule
2. Ausstrahlen der Schmerzen in die Arme und/oder Beine (wenn z.B. eine Bandscheibe auf eine Nervenwurzel drückt etc.)
3. Verspannungen der Muskulatur

All dies kann Schmerzen verursachen!

Treten sie diesem aktiv entgegen, indem sie:

1. Vor der Arbeit sich auflockern und aufwärmen

2. Die Arbeit exakt einteilen, so dass sie keine einseitige Tätigkeit über einen längeren Zeitraum machen, sondern darauf achten die Postitionen zu wechseln.

3. Schwere Gegenstände nicht einzeln hochheben, sondern zu zweit oder zu dritt Beim Heben von Gegenständen in die Knie gehen und den Oberkörper nicht verdrehen.

4. Nutzen sie Hilfsmittel für rückengerechtes Arbeiten wie z.B. Rollwagen zum Transport, Knieschoner, Bodenkralle, Hochbeet, Pflanzentisch, Sitzhocker, Gartengeräte mit Teleskopstiel, die auf die Körpergröße eingestellt werden können, erhöhte Arbeitsflächen etc.

5. Schubkarren und Gießkannen nicht zu voll füllen. Bedenken sie: 1 Liter entspricht 1 Kilogramm! Gehen sie lieber mehrfach als nur einmal. Dies ist auch gesünder und zwar nicht nur für ihren Rücken und die Gelenke sondern auch für ihren Kreislauf.

6. Vermeiden sie einseitige längere Zwangshaltungen und wechseln sie häufig die Positionen.

7. Legen sie Pausen ein, und machen sie Lockerungsübungen während der Pausen Beachten sie: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Teilen Sie die Arbeit ein. Was sie früher in 6 Stunden geschafft haben, können sie besser und gesünder in 3 Tagen mit jeweiligen Pausen durchführen. Dann sieht nicht nur der Garten schön aus, sondern Sie können auch die Früchte Ihrer Arbeit genießen.  

Brennpunkt Knie

Hätten Sie es gewusst?

Bei einseitiger Tätigkeit in tiefer Hocke kommt es zu einer Belastung des hinteren Anteils des Kniegelenkes, speziell des hinteren Meniskusanteils dem sogenannten Hinterhorn. Es drücken dann 18kg (!!) pro Quadratzentimeter auf den hinteren Knieanteil. Zudem kommt es zu einer Belastung der Kniestrukturen mit wiederum Verletzung nicht nur des Meniskus mit Meniskuszerrungen und/oder -rissen sondern auch zu Knorpelschäden (Knorpel umgibt die zugewandten Knochen wie einen Zuckerguss).
Aus diesem Grunde verharren sie nicht zu lange in einer Kniehaltung und benutzen sie z.B. Sitzhocker zum Arbeiten im Beet.

Beim Arbeiten auf den Kniegelenken kommt es auch zu einer starken Belastung zwischen der Kniescheibenrückfläche mit der Oberschenkelvorderfläche, welches sie z.B. auch beim Bergabsteigen und/oder Treppensteigen besonders schmerzen kann. Aus diesem Grunde sind Knieschoner sehr zu empfehlen.

Auch hier gilt:

Wechseln sie die einseitige Tätigkeit häufig von einer knieenden in eine andere z.B. aufrechte Position.

Brennpunkt Schulter / Ellenbogen / Hand

Bei längerer Überkopfarbeit kann es zu Schmerzen und Überbelastung im Bereich des Schultergelenkes kommen. Achten sie ebenfalls darauf nicht zu schnell die Körperposition zu wechseln, da dadurch Schwindel (wie auch bei längerer Überkopfarbeit ) ausgelöst werden kann. Auch hier sind teleskopartige, arbeitsergonomische Arbeitsgeräte sinnvoll. Trotzdem sollten sie zudem nicht zu lange über Kopf arbeiten (Belastung der Halswirbelsäule).

Hätten Sie es gewusst?

Bei langer einseitiger Tätigkeit und dadurch Überlastung der Unterarmstreckmuskulatur kann ein Tennisarm entstehen oder durch Überlastung der Beugemuskulatur ein Golferarm. Aus diesem Grunde achten sie auf arbeitsergonomische Heckenscheren mit z.B. breitem Handgriff falls Sie Verschleißerscheinungen in den Fingergelenken und/oder Handgelenken haben. Machen sie genügend Pausen und teilen sie ihre Arbeit über mehrere Tage ein. Vorteilhafter wäre es dann eine elektrische Heckenschere zu nehmen, um eine dauerhafte einseitige Belastung der Unterarmstreckmuskulatur und/oder -beugemuskulatur damit die Auslösung eines zur Chronizität neigenden Tennisarmes/Golferarmes abzuwehren.

Nach der Gartenarbeit:

Genießen sie nicht gleich die Früchte Ihrer Gartenarbeit. Trocknen Sie sich sorgfältig ab oder besser noch duschen sie. Untersuchungen sie jedesmal nach der Gartenarbeit Ihren Körtper nach Wunden und besonders nach Zecken (!!). Danach ziehen sie bitte unbedingt schnell neue, trockene Kleidung an, damit sie sich nicht durch den Schweiß und die Verdunstungskälte erkälten.

Erst jetzt sollten Sie verdient die Früchte Ihrer Arbeit genießen.