DIE HALSWIRBELSÄULE (HWS): kleines Lexikon

Vertebra prominens: Prominenter 7. Halswirbel

Atlas: 1. Halswirbel, der den Kopf trägt

Condylen: Gelenkflächen vom Kopf ausgehend, auf denen der Atlas liegt

Arteria vertebralis: Arterie, die durch die Nervenlöcher (außer im 1. Nervenloch zum Kopf ziehen

Axis: 2. Halswirbel

Dens axis: Zahn des 2. Halswirbels, der Kontakt vorne mit dem Atlas hat

Seitwärtsneigung: Aus der Mittelstellung des Kopfes 45-0-45 Grad

Beugung: Aus der Mittelstellung des Kopfes 35-45/0/35-45 Grad

Rotation des Körpers: Aus der Mittelstellung 60-80/0/60-80 Grad

Brachialgie: Armschmerzen

Chondrose:
Veränderung an der Bandscheibe in Form eines Elastizitätsverlustes (Wassergehaltsverlust =Dehydration des gallertartigen Kernes). Zunehmende Risse des Faserringes und Sinterung der Bandscheibe mit häufig Instabilität im Bewegungssegment, Verlust der Pufferfunktion.

Röntgenologische Zeichen einer Chondrose:
Reaktionslose Höhenabnahme des Zwischenwirbelraumes im Kernspin (MRT)

Black-disc: schwarze Bandscheibe als Zeichen des Wasserverlustes

Dorsalgie: Rückenschmerz oberhalb der Kreuzregion

Instabilität:
Klinische Instabilität bedeutet Bewegungs- und Stellungsmuster der Wirbelsäule werden unter normalen Belastungen nicht mehr aufrecht erhalten, ohne das es zu anfänglichen oder zusätzlichen Nervenschädigungen, Fehlformen (Deformierungen) und/oder zu Funktionsschmerzen kommt

Osteochondrose:
Vermehrte mechanische Belastung durch die verminderte vordere (bauchwärts=ventrale) Abstützung bei Elastizitätsverlust der Bandscheibe (Chondrose). Einbezogen werden dabei die angrenzenden Grund- und Deckplatten des Wirbelkörpers in den Prozess. Die Folge ist eine vermehrte, unter dem Knorpel, entstehende Verhärtung des Knochens (subchondrale Sklerosierung) und Randzackenbildung (exophytäre Randzackenbildung). Folglich kommt es zur Instabilität des Bewegungssegmentes.

Röntgenologische Zeichen einer Osteochondrose:
Über dem Knorpel vermehrte Verdickung des Knochens insbesondere der benachbarten Deck- und
Bodenplatten (subchondrale Sklerosierung). Werden die Deck- und/oder Grundplatten angegriffen spricht man von einer erosiven Osteochondrose, bei schweren Knochen/Knorpelveränderungen mit Einbruch bis unter die Bandscheibe von einem verdichteten Knochens (subsklerosierter Knochen).

Differentialdiagnostisch ist an eine Knochen-Bandscheibenentzündung (Spondylodiszitis) zu denken.

Pseudoradikuläre Schmerzen (nach Brügger):
Ausstrahlender Schmerz, der keiner Nervenwurzel zuzuordnen ist ausgehend von den Banscheibenzwischenwirbelgelenken, Muskeln, Bändern der Wirbelsäule sowie den außerhalb der Wirbelsäule liegenden Strukturen. Es ist keine segmentale Zuordnung möglich.

Radikuläre Schmerzen:
Die Ursache liegt häufig in der Schädigung einer Nervenwurzel mit Entzündungsreaktion verursacht durch z.B. mechanische Kompression.
Die gezielte Schmerzausstrahlung (segmentale Schmerzausstrahlung) entspricht einem Hautabschnitt (Dermatom). Eventuell kommt es zu Ausfällen von Kennmuskeln ggfs. Beeinträchtigung von Motorik, Gefühl (Sensibilität) und/oder Reflexen.

Spondylarthrose:
Durch die Instabilität eines Segmentes ungleiche Ausrichtung (in Konkurrenz) der kleinen Wirbelgelenke. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Belastung, wobei man dann von einer Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, Spondylarthrose spricht.

Röntgenologische Zeichen einer Spondylarthrose:
Gelenkspaltverschmälerung, unter dem Knorpel liegende Verdichtung des Knochens (subchondrale Sklerosierung), unregelmäßige Gelenkflächen der kleinen Wirbelgelenke, die Computertomographie (CT) ist dabei aussagekräftiger als das Kernspin (MRT).

Spondylose:
Vermehrte Zugbeanspruchung der Bänder an den Wirbelkörperrändern mit Bildung von reparativen sich ansetzenden Knochenzangen (repurative appositionelle Knochenspondylophyten) entstanden durch eine Gefügelockerung des Bewegungssegmentes. In ausgeprägten Fällen kann es zu einem Verschmelzen der gebauten, zur Reparatur gedachten, Knochenzangen (Spondylophyten) kommen mit Überbrückung der Spangenbildung.

Röntgenaufnahmen der Spondylose:
Vordere und seitliche knöcherne (osteophytäre und spondylophytäre) Randzacken an den Deck- und Bodenplatten.

Vegetative Symptome:
Ausgelöst durch Beteiligung der sympathischen Nervenfasern die neben der Wirbelsäule laufen (paravertebral). Im Bereich der Halswirbelsäule ist es z.B. das Horner-Syndrom mit den 3 Krankheitsbildern der verkleinerten Pupille (Myosis), hängendes Lid (Psosis) und Rückzug des Augapfels (Enophthalnos) und/oder unspezifische Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen. Im Bereich der Arme (Extremitäten) z.B. Erwärmung.

Spondylolisthesis: Verschiebung der Wirbelkörper gegeneinander

Retrolisthesis: Rückwärtsbewegung  bzw. rückwärtsgleiten der Wirbelkörper gegeneinander

Verschleiß bedingte Spondylolisthesis (degenerative Spondylolisthesis):
Vorgleiten – Drehgleiten, seitliches Gleiten der Wirbelkörper zueinander

Cervicalgie: Nackenschmerzen

Cervicalsyndrom:
Unspezifischer, undifferenzierter Sammelbegriff ohne Hinweis auf Ursprung oder Krankheitsentstehung mit Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule aufgrund Verschleißveränderungen oder funktionellen Störungen.

Cervicobrachiales Syndrom:
Von der Halswirbelsäule ausstrahlender Schulter-Arm-Hand- Schmerzen

Cervicocephales Syndrom:
Halswirbelsäulen bedingte Kopfbeschwerden, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Globusgefühl beim Schlucken (Globusgefühl: Hör- und/oder Sehstörungen).

Degeneration:
Der Begriff Degeneration wird häufig negativ mit krankhafter Bedeutung versehen. Es wäre besser wenn man den Begriff Degeneration mit dem normalen Einfluss entsprechend  mit der Entwicklung der Wirbelsäule bezeichnen würde

Stufe in der Dornfortseite: Häufig bei Wirbelgleiten tastbar

Kibler-Hautfalte:
Hautfalten mit beiden Händen abheben und entlang des Hautbereiches (Dermatom) entlangrollen. In überempfindlichen Schmerzzonen ist eine Verdickung dieser Falte tastbar.

Unkovertebralarthrose:
Einengung der Nervenlöcher (Foramen intervertebrale) durch verschleißbedingte Vergrößerungen des sogenannten Prozessus uncinati (der vorderen Wirbelgelenke, die unterentwickelte Bandscheiben sind).
Nervenwurzelbezogene und/oder Nervengefäß- (radikuläre und/oder neurovaskuläre) Symptome stehen im Vordergrund wie z.B. phasenhaft chronische/akute Nackenschmerzen, Nackenarmschmerzen, Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule, Gefühlsstörungen meist nicht Nervenwurzel bezogen, Spannungs- und Schwellungsgefühl der Hand, Drehbewegung eingeschränkt, Einengung zur entgegesetzten Seite.

Cervicocephales Syndrom:
Kopfschmerzen, Schwindel, Hör- und/oder Ohrensausen und Sehstörungen, Beschwerden häufig positionsabhängig.

Facettensyndrom:
Nervenwurzelbezogener Schmerz ausgehende von den Wirbelgelenken und ihren Strukturen ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzel.
Die Diagnose ist meist noch nicht eindeutig zu stellen, da häufig andere Erkrankungen mit Facettensyndrom dabei sind wie z.B. nach einer Bandscheibenoperation entstehende Schmerzen, Wirbelgleiten, Knochenschwäche, Knochenschwund, und/oder segmentale Instabilität.

Bandscheibenschäden:
Lokaler Schmerz durch Stoffwechselveränderungen. Es kommt zu einer Veränderung der Nervenstrukturen mit folglichen Gefühls- und/oder beweglichen Ausfällen (sensible und/oder motorische Ausfälle).
Sie setzen eine Entzündungsreaktion der Wurzel durch mechanische Schädigung voraus (Wirkprinzip: entzündungshemmende Medikamente).
Eine rein mechanische Kompression führt zu vermehrtem oder deutlichem Schmerzangabe.

Prolaps: Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorwölbung: Protrusion

Bandscheibenvorfall in der HWS:
Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule sind 100x seltener als in der Lendenwirbelsäule. Es überwiegen sogenannte weiche Fälle, die hinten außen und innen (dorsolateral) und/oder in das Nervenloch hineinragen, als akute Nervenwurzelreizung (Nervenwurzelkompression) oft selten oder akute Nervenwurzelkompression nach chronischen Beschwerden durch Verschleißveränderungen und/oder chronische Wurzelkompression.

Protrusion:
Beginnende Degeneration des Faserringes zur Vorwölbung des Kernes (Nucleus pulbosus) noch im Raum der Bandscheibe (interdiscaler Raum) befindlich.

Prolaps (NPP):
Vorfall. Der Faserring ist zerrissen, der Bandscheibenkern (Nukleus pulbosus) tritt aus dem innersten der Bandscheibe aus.

Gedeckter Bandscheibenvorfall:
Das Längsband ist zwischen den Dornfortsätzen erhalten.

Sequestrierter Bandscheibenvorfall: Durch der neben das Längsband getretener Vorfall

Massenprolaps: Massiver Austritt von Bandscheibenmaterial

Enger Spinalkanal:
Enger Rückenmarkskanal in der HWS. Einengung des Rückenmarkskanals und Einengung des Rückenmarkes in der Halswirbelsäule (Cervicalmark). Bei fortschreitender Erkrankung kommt es zu einem HWS bedingten Rückenmarksschmerz (cervicoale Myelopathie), d.h. Substanzschäden entstehen im Halswirbelsäulenrückenmark mit Nervenausfällen. Der Rückenmarksschmerz ist als Signalgebung im MRT erkennbar. Häufig wird er durch knöcherne Anbauten (spondylytische Randzacken) bei Männern häufiger als bei Frauen ausgelöst.

Anzeichen eines zu engen Rückenmarkskanals an der Halswirbelsäule:

  1. Langsam zunehmend Beschwerden wir Gangunsicherheit
  2. Oft unerkannte neurologische Beschwerden
  3. Nervenwurzelbezogener Schmerz. Unterhalb eines Segmentes oder uncharakteristisch
  4. Diffuse Schmerzen an Armen und Beinen
  5. Symmetrisch oder einseitig betonte Lähmungen (Paresen) gelegentlich Tetra- oder Paraspastik mit erhöhtem Muskeleigenreflexen
  6. Gefühlsstörungen (nicht immer vorhanden)

Einengung Neuroforamen interforaminale cervical:
Einengung des Nervenloches an der Halswirbelsäule häufig durch Verschleiß bedingte Vergrößerung der Prozessus uncinati. Im Lebensalter unter 50 Jahren häufiger durch Bandscheibenvorfälle.

Dens-Fraktur:
Bruch des 2. Halswirbels (Axis).
Einteilung nach Andersen und Alonso in drei Hauptgruppen.

Jefferson-Fraktur:
Berstungsbruch des 1. Halswirbels durch achsial einwirkende Kraft (Atlasberstungsbruch)

Hanged-man´s- Fraktur:
Abriss der 2. Halswirbelbogenwurzel (Axisbogenwurzel) und Luxation des 2. Halswirbelsaxiskörpers nach ventral durch schwere Überstreckung des Schädels gegenüber der oberen Halswirbelsäule.

Beschleunigungsverletzung:
Dies ist keine korrekte Diagnose sondern beschreibt eine Verletzung, die ausschließlich  bei einer eindimensionale Überbeugung und Streckung vorliegt (Unfall).

Atlantodentale oder atlantoccipitale Instabilität:
Instabilität im Bereich des 1. Halswirbels und des Dens (des Zahnes des 2. Halswirbels) atlantodental und/oder im Bereich des 1. Halswirbels und des Schädels atlantooccipitale Instabilität.
Dies kann z.B. bei einem nicht vollständig verknöcherten Zahn des 2. Halswirbels sogenanntes Os odontoideum vorkommen, häufig auch bei Menschen mit Erkrankungen von Morbus Down (Trisomie 21)

Torticollis:
Muskulärer Schiefhals. Bei Neugeborenen oder jungen Säuglingen auftretende fixierte Schiefstellung des Kopfes mit Neigung zur erkrankten und Rotation des Kopfes zur gesunden Seite. Bleibt dieses unbehandelt kann es danach zur Fehlentwicklung der Halswirbelsäule und Gesichtsschädel kommen wie z.B. eine Gesichtsseitverbiegung und/oder Halswirbelsäulenseitverbiegung (Gesichtsskoliose und/oder HWS Skoliose)

Kopfnickerhämatom:
Geburtstraumtisch bedingter Bluterguss häufig verbunden auch mit einer Verkürzung des Hauptwendemuskels (Muskuls sterno cleidomastoideus)

Kyphose:
Fixierte, rückenwärts konvexe Verkrümmung der Wirbelsäule, die über das normale Maß einer Kyphose hinausgeht (Brustwirbelkyphose bei Messung der Gesamtkrümmung über 60 Grad krankhaft).
An der Hals- und Lendenwirbelsäule ist eine Kyphose ab Kindesalter immer krankhaft. Man unterscheidet anguläre, kurzbogige oder arcuäre, langbogige Rundrücken (Kyphose).

Morbus Scheuermann:
Auftretende Wachstumsstörung an den Grund- und Deckplatten der Brustwirbelsäule und/oder an der Lendenwirbelsäule mit teilfixierter vermehrter Rundrückenbildung (Kyphose). Häufigste Wirbelerkrankung im Jugendalter (röntgenologisch bei ca. 20% der Bevölkerung), die Ursache ist unklar.

Skoliose:
Fehlstellung der Wirbelsäule mit Seitausbildung in der Frontalebene, Rotation und Änderung des sagittalen Profils.
Bei strukturellen Skoliosen Veränderung der Wirbelbandscheiben und Bänder im Gegensatz zu funktionellen Skoliosen durch Beckenschiefstand und/oder Nervenwurzelreizung besonders des Nervus ischiadikus (Ischialgien).
Funktionelle Skoliosen haben keine Tendenz zur Fortschreitung und können zurückgehen. Bei der ischialen Skoliose jedoch Fixation durch Band- und Muskelverkürzung bzw. Verschleiß bedingtes Drehgleiten möglich.