DAS KNIE: Anatomie

Allgemeines
Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers

Es ist ein Gelenk im Sinne einer Sonderform eines Drehscharniergelenkes

Aufbau des Kniegelenkes
Die Gelenkkörper des Kniegelenkes werden von den Gelenkflächen des unteren Oberschenkelknochens (Condylus femoris) und den unteren Knochen des Schienbeines (Condylus tibiae) gebildet.
Ein Ausgleich der Unebenheiten dieser Gelenkflächen wird

  1. durch einen relativ dicken Knorpelüberzug
  2. durch die halbmondförmigen, nur am Rand auf der Schienbeinoberfläche befestigten Knopelscheiben (Menisci) erzielt.

Am Kniegelenk ist neben Schienbein und Oberschenkelknochen auch die Kniescheibe (Patella) beteiligt. Man spricht hier von einem Oberschenkel- Kniescheibengelenk, und meint damit den Bereich des Kniegelenkes in dem die Kniescheibe in Kontakt mit dem Oberschenkelknochen tritt.

Das Kniegelenk wird von einer schlaffen, weichen Kapsel umgeben und durch Bänder gestärkt.

Besondere Einrichtungen des Kniegelenkes sind:

  1. Bänder
  2. Halbmondförmige, nur am Rand auf der Schienbeinoberfläche befestigte Knorpelscheiben (Menisci)
  3. Miteinander in Verbindung stehende Schleimbeutel

DIE BÄNDER DES KNIEGELENKES

Ligamentum patellae:
Fortsetzung der Sehne des 4köpfigen Streckermuskels (M. quadriceps femoris) mit äußerer Bandverbindung am Schienbein (Retinaculum patellae laterale), es streuen auch Fasern der Sehnenplatte ein.

Bandapparat medial der Kniescheibe (Retinaculum patellae mediale)
Das Band der Kniescheibe, welches vor dem Innenband am Bereich des Schienbeines ansetzt.

Das Kniegelenk hat 2 Seitenbänder:

  1. das innere Seitenband (Ligamentum collaterale tibiale). Dies ist ein dreieckiges plattes Band, das in die Kapsel des Kniegelenkes eingebaut und mit dem inneren Meniskus verbunden ist wobei 2-3 Fasergruppen unterschieden werden.
  2. Das Außenband (Ligamentum collaterale fibulare). Dies hat keine Verbindung zur Kapsel noch zu den Meniski und setzt am Wadenbeinköpfchen an.

Die Kreuzbänder

Aufgabe der Kreuzbänder:
Sie dienen vor allem der Kontakthaltung bei Drehbewegungen, sie liegen innerhalb der Kapsel aber außerhalb des Kniegelenkes.

Man unterscheidet:

  1. Das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius)
  2. Das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterior)


Hätten Sie´s gewusst?


Sie können sich das ganz einfach merken: das vordere Kreuzband verläuft wie ihre Hosentasche d.h. für das rechte Knie von rechts oben außen nach links unten innen.

DIE MENISCI - Knorpelscheiben im Kniegelenk

Allgemein:
Die Knorpelscheiben im Kniegelenk zwischen Oberschenkelrolle und Schienbein sind die sogenannten Menisci.
Man unterscheidet einen Innen- und einen Außenmeniskus bestehend aus: Bindegewebe mit reichlich kollagenem Fasermaterial und eingelagerten knorpelähnlichen Zellen

Der Innenmeniskus (medialer Meniskus)
Die Breite des halbmondförmigen Innenmeniskus beträgt im hinteren Teil 14, im vorderen Bereich 6mm.

Der Außenmeniskus (lateraler Meniskus)
Der laterale Meniskus entspricht in seiner Form einem Kreissektor.
Sein Radius ist kleiner als der des Innenmeniskus.

Beide Menisci sind nur mit ihrem äußeren Rand an der Schienbeinkopfoberfläche befestigt.

Hätten Sie´s gewusst?

Beide Vorderhörner der Menisci sind mit einem quer verlaufenden Band, des Ligamentum transversum genus, verbunden.

Die Menisci bestehen im zentralen Bereich aus straffem Bindegewebe, das peripher in Faserknorpel übergeht. Die Kollagenfasern die von wenigen elastischen Fasern begleitet werden sind innerhalb der Menisci in einer Richtung größter Dehnung angeordnet. Außen vorne verlaufen sie vorwiegend zirkulär.

 

Hätten Sie´s gewusst?

Die Menisci können als zentrale Gelenkflächen angesehen werden. Sie tragen wesentlich zur Verteilung des Gelenkdruckes bei. Die Folge ist eine gleichmäßige Beanspruchung des Gelenkes zwischen Oberschenkelrolle und Schienbein. Zur Stabilisierung des Kniegelenkes sind sie von großer Bedeutung.
In der Neutralstellung des Kniegelenkes sind sie wie Keile zwischen Oberschenkelrolle und Schienbeinplateau im Sinne einer Hemmschuhwirkung.
Durch den Bandapparat werden sie in ihrer Position gehalten.
Ein großflächiger Kontakt zwischen Meniskus und Oberschenkelrolle besteht nur in Streckstellung des Kniegelenkes.
Bei gebeugtem und gedrehtem Knie ist der Kontakt nur teilweise (partiell).

BEWEGUNG DER MENISCI
Bei Beugung lagern sich die Menisci nach hinten, bei Steckung nach vorne.
Bei Innendrehung zieht sich der innere Meniskus nach vorne und der äußere nach außen.
Bei Außenrotation bleibt der Innenmeniskus hinten und der äußere geht nach vorne.

Wichtig: Die Verlagerung der Menisci erfolgt sowohl passiv als auch aktiv.

Hätten Sie´s gewusst?

Form und Größe der Menisci variieren. Dazu gibt es sogenannte Scheibenmenisci.
Diese werden isoliert oder in Kombination mit anderen Variationen des Skelettes beobachtet.

Hätten Sie´s gewusst?

Es kommt etwa 20x häufiger zu Verletzungen des inneren als des äußeren Meniskus bedingt durch dessen geringere Beweglichkeit und sein dünneres Vorderhorn. Es kann entweder ein Längsriss (Corpusriss) oder ein Ab-/Teilabriss des Vorder- und Hinterhorns erfolgen.

Verletzungen zusätzlich im funktionellen Zusammenhang mit der Auslösung der kollagenen Fasern:

Läsionen im inneren Bereich verlaufen häufig quer, Risse in der mittleren und äußeren Zone in Längsrichtung (sogenannter Korbhenkelriss)

Hätten Sie´s gewusst?

Bei der Entfernung von Meniskusanteilen können erhaltene, bleibende Randzonen an der Kapsel ein neues meniskusähnliches Gewebe bilden, das die Funktion der Meniskus in gewisser Weise übernimmt.

SCHLEIMBEUTEL

Am Kniegelenk unterscheidet man viele Schleimbeutel (Bursae).

Einige von Ihnen kommunizieren miteinander.

Der größte Schleimbeutel ist der Schleimbeutel oberhalb der Kniescheibe (Bursa suprapatellaris).

Auf der Kniescheibe liegt ebenfalls ein Schleimbeutel, die Bursa praepatellaris und unterhalb der Kniescheibe liegt die Bursa infrapatellaris.

BEWEGUNG IM KNIEGELENK

Der Bewegungsumfang des Kniegelenkes ist für Streckung/Beugung (Extension/Flexion)
5-10 Grad/0 Grad /120-150 Grad.

Gestrecktes Kniegelenk (Extension) :
Bei gestrecktem Kniegelenk sind beide Seitenbänder (Kollateralbänder) und der vordere Anteil des vorderen Kreuzbandes gespannt.
Die maximale Spannung der Kollateralbänder erfolgt in der Endphase der Streckung, diese wird aber erst erreicht bei einer Außendrehung (Aussenrotation) von 5-10 Grad, sogenannte Schlussrotation oder automatische Rotation.

Bei gebeugtem Kniegelenk (Flexion):
Das Außenband (Ligamentum collaterale fibulare) ist vollständig, das Innenband (Ligamentum collaterale tibiale) zum größten Teil entspannt.
Das vordere und das hintere Kreuzband sind gespannt.
In Beugestellung kann die Rotation der Kreuzbänder durchgeführt werden.

Hätten Sie´s gewusst?

Der Umfang der Innenrotation des Oberschenkels ist geringer als der der Außenrotation.Bei der Innenrotation wickeln sich die Kreuzbänder umeinander und hemmen dort die zu starke Einwärtsdrehung, ebenso werden die Fasern des äußeren Bandes am Ende der Innenrotation angespannt.

Bei der Außenrotation drehen sich die Kreuzbänder auseinander. Der maximale Rotationsumfang beträgt 40 und 60 Grad.

Wichtig:
Durch die schräge Stellung der Kreuzbänder sind in jeder Stellung immer ein Kreuzband bzw. Teile eines solchen Bandes gespannt. Sie übernehmen in jedem Fall die Führung des Gelenkes sobald die Seitenbänder schwach werden.

BEINSTELLUNG IM KNIEGELENK

  1. Gerades Bein (Genua rectum).

Dies befindet sich beim normal ausgebildetem Kniegelenk.
Die Traglinie verläuft durch die Mitte des Hüftkopfes, durch die Mitte des Kniegelenkes und durch die Verlängerung der Mitte des Fersenbeines.

  1. X-Bein (Genua valgum)

Beim Abweichen der Traglinie nach außen verläuft die Traglinie durch den äußeren Oberschenkelanteil bzw. durch das Wadenbeinköpfchen am Kniegelenk wobei das Innenband des Kniegelenkes überdehnt und die äußeren Menisci mehr beansprucht werden.

  1. O-Bein

Die Traglinie verläuft nun durch die Innenseite der Oberschenkelrolle, dabei ist das Außenband überdehnt, es kommt also zu einer Mehrbelastung des Innenmeniskus.

GELENK ZWISCHEN KNIESCHEIBE UND OBERSCHENKELROLLE

Die Belastung erfolgt durch senkrechte und quer verlaufende Zugkräfte.
Die an der Kniescheibe angrenzenden Muskeln und Bänder führen die Kniescheibe in ihrem Gleitlager an der Oberschenkelrolle und bewegen zugleich den Gelenkdruck.

Schmerzen beim Treppauf- und absteigen bzw. Bergauf- und Bergabsteigen belasten die Rückfläche der Kniescheibe, so dass es zu einer Überbelastung im Kniescheibengelenk kommen kann mit Ausbildung eines Gelenkverschleißes (Femoropatellararthrose bzw. Retropatellararthrose).

Hätten Sie´s gewusst?

In Abhängigkeit von der Form ist die Beanspruchung der Kniescheibe unterschiedlich.
Kurze Kniescheiben mit großem Durchmesser werden auf Druck beansprucht, während lange Kniescheiben mit kleinem Durchmesser zusätzlich ein Biegeanspruch aufweist.

Kraftaufnahme der Kniescheiben:
In Streckstellung wird nur ein kleines Areal oberhalb der Kniespitze, welches Kontakt mit dem unteren Teil des Gleitlagers hat, belastet.
Bei Beugung zwischen 45 und 90 Grad dienen die mittlere und die obere zentrale Zone als Kraftfläche.
Bei Beugung über 120 Grad werden an der Kniescheibe die seitlichen Abschnitte an der Oberschenkelrolle und die untere Zone des Kniescheibenlagers in die kraftaufnehmende Fläche einbezogen.

Wichtig:
Bei Beugung von etwa 60 Grad ist die kraftaufnehmende Fläche im Oberschenkel-Kniescheibenbereich am größten.

Hätten Sie´s gewusst?

Die Belastung am Schienbeinplateau beträgt in dem Gelenk zwischen Oberrschenkelrolle und Schienbein (Femorotibialgelenk) bei Stand auf einem Bein etwa das Doppelte des Körpergewichtes.
Beim Gehen treten zusätzlich dynamische Kräfte auf die in bestimmten Gangstadien das 6fache! des Körpergewichtes erreichen können.


ABLAUF DER KNIEDIAGNOSTIK

  1. Ausführliche Anamnese
  2. Untersuchung des entkleideten Patienten
  3. Untersuchung der Schulter- und des Beckenstandes
  4. Untersuchung der Lendenwirbelsäule
  5. Untersuchung beider Hüftgelenke
  6. Untersuchung beider Kniegelenke
  7. Untersuchung des oberen und unteren Sprungelenks an den Füßen
  8. Verschiedene Tests am Kniegelenk
  9. Untersuchung der Neurologie (Durchblutung,- Motorik-, Sensibilität-, Reflexe e.t.c.) an der unteren Extremität
  10. Chirodiagnostische Untersuchung auf eventuelle Blockierungen im Bereich des Beckens, der unteren Lendenwirbelsäule, der Hüftgelenke, der Kniegelenke und der Füße
  11. Ggfs. Blutuntersuchung (Labor) wie z.B. kleines Blutbild, Entzündungs- und Rheumewerte, Harnsäure, Zucker etc.

WEITERGEHENDE UND BILDGEBENDE DIAGNOSTIK

1. Ultraschall
2. Röntgen
3. Magnetresonanztomographie (MRT)
4. Computertomographie (CT)
5. Muskelfunktionsdiagnostik (Sinfomed ®)