DIE SCHULTER: kleines Lexikon

Humerus:
Oberarmknochen
Glenoid:
Gelenkpfanne
Clavicula:
Schlüsselbein
Acromion
:
Schulterdach
Muskulus
supraspinatus: Oberer Grätenmuskel
Spina scapula: Schulterblattgräte
Muskulus infraspinatus: Unterer Grätenmuskel Muskulus terres minor: Kleiner Rundmuskel
Muskulus terres major: Großer Rundmuskel
Muskulus subscapularis: Muskel unter dem Schulterblatt Arcromioclaviculargelenk: Gelenk zwischen Schlüsselbein und Schulterdach Labrum glenoidale: Gelenklippe um die Gelenkpfanne

Hätten Sie´s gewusst?

Das Schultergelenk ist ein muskelgeführtes Gelenk, da der Oberarmkopf ca. vierfach größer ist als die Gelenkpfanne. Ohne die Muskelführung würde der Oberarmkopf ständig aus der Gelenkpfanne herausfallen.

Rotatorenmanschette:
Muskelmanschette, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne hält, bestehend aus den Muskeln Muskulus supraspinatus (oberer Grätenmuskel), Muskulus infraspinatus (unterer Grätenmuskel)  und Muskulus terres minor (kleiner Rundmuskel). Unter anderem sind diese Muskeln an der Innen- und Außendrehung des Oberarmkopfes beteiligt und halten den Oberarmkopf in der Pfanne.

Gleno-humeral-Gelenk:Das eigentliche Schultergelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne

Hätten Sie´s gewusst?

Man unterscheidet am Schultergelenk 5 Gelenke.


  1. Das eigentliche Schultergelenk (Glenohumeralgelenk)
  2. Schulterdachgelenk bzw. Gelenk zwischen Schulterdach und Schlüsselbein (Acromioclaviculargelenk). In diesem Gelenk werden Bewegungen vor dem Körper und Bewegungen über 120 Grad (Überkopfbewegungen) durchgeführt.
  3. Das Schlüsselbein – Brustbeingelenk (Sternoclaviculargelenk)
  4. Schulterdachnebengelenk (Subacromialer Raum, d.h. der Raum unter dem Schulterdach)
  5. Schulterblattbrustkorbnebengelenk (Scapulu-thorakale Gleitebene), wo das Schulterblatt (die Scapula) auf den Rippen (Costae) im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) gleitet.

Tuberculum majus:
Großer Rollhügel, Ansatzpunkt der Sehnen des oberen und unteren Grätenmuskeln und des kleinen runden Muskels. Diese bilden die sogenannte Rotatorenmanschette.

Sulcus bicipitalis:
Bizepssehnenrinne, wo die lange Bizepssehne verläuft.

Tuberculum minus:
Kleiner Rollhügel, Ansatzpunkt des unteren Schulterblattmuskels (Muskulus subscapularis).

Schulterbeweglichkeit

Normalwerte für die Schulterbeweglichkeit

  1. Bei herabhängendem Arm und führen des Armes nach hinten (Retro-) und nach vorne (Anteversion):
    40°/0°/150°-170° (Ansicht von der Seite) Grad
  1. Abspreizen des hängenden Armes (Abduktion) /Anspreizen des hängenden Armes (Adduktion):
    180°/0°/20°-30° Grad
  1. Innen- und Außendrehung des Schultergelenkes bei anliegenden Oberarmen (Außen- und Innenrotation):
    40°/0°/60°-95° Grad
  1. Außen- und Innenrotation bei 90 Grad seitwärts gehobenen Oberarm:
    70°/0°/70° Grad

Acromioclaviculargelenksarthrose: Verschleiß im Schulterdachgelenk zwischen dem Schulterdach und dem Schlüsselbein

Acromioclaviculargelenksverletzung:
Verletzung im Schultereckgelenk, entsteht meistens durch Unfall bei Sturz auf die Schulter mit angespreiztem Arm. Einteilung in Grad 1-3 (Tossy 1-3).

  • Tossy 1: Bänderdehnung
    Kennzeichen/ Klinik: Schmerzen, lokale Schwellung, keine Funktionseinschränkung
  • Tossy 2: Riss der Bänder zwischen dem Schulterdach und dem Schlüsselbein (Acromioclaviculäre Bänder) und Dehnung des Bandes zwischen dem Schulterdach und Schnabelfortsatz (Prozessus coracoideus) und des Schlüsselbeines
    Kennzeichen: Alle Bewegungen in der Schulter sind schmerzhaft, das Schultereckgelenk steht etwas hoch und ist instabil.
  • Tossy 3: Riss der Bänder zwischen Rabenschnabelfortsatz und Schlüsselbein sowie Schulterdach und Schlüsselbein (Riss der acromio- und corococlaviculären Bändern)
    Kennzeichen: Deutlicher Hochstand des äußeren Schlüsselbeinendes zum Teil über eine Schaftbreite, sogenanntes Klaviertastenphänomen (durch das Drücken mit dem  Zeigefinger auf das äußere Schlüsselbeinende).
  • Therapiemöglichkeiten Acromioclaviculargelenksverletzung:
    Tossy Typ 1: Symptomatisch (Kälte, Medikamente, Salbenverbände für 2-3 Wochen)
    Tossy Typ 2 und 3: 1-2 Wochen Gipsverband, danach Krankengymnastik, alternativ Tape. Schweres Heben und Kampfsportarten sind für 6 Wochen zu vermeiden.
    Tossy Typ 3 ist eine relative OP Indikation, meist wenn das Schlüsselbeinende eine Schaftbreit höher steht.

Bizepssehnenruptur:
Riss der langen Bizepssehne.

Bursitis subacromialis:
Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach. Der Schleimbeutel unter dem Schulterdach (die Bursa subacromialis) ermöglicht das Gleiten der Muskeln, die von hinten (dorsal) nach vorne (ventral) gleiten und am großen Rollhügel (dem Tuberculum majus) ansetzen. Bei einer Kalkschulter kann es sein, dass der Kalk in den Schleimbeutel einbricht, und dort eine Entzündung entsteht. Als Beschwerde äußert sich vor allem nächtlicher Schmerz und führt zu einer Bewegungseinschränkung der Schultergelenke bis zu einer Schulterteilsteife.

Bursitis subacromialis (chronische Bursitis):
Ist eine chronische Entzündung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach bei Ausdehnung des Kalkes an die Oberfläche des Sehnenspiegels und mechanische Irritation dieses Schleimbeutels. Die akute Bursitis ist ein akutes Durchbrechen des Kalkdepots in den Schleimbeutel.

Claviculafraktur:
Bruch des Schlüsselbeines meist mit Sturz auf den ausgestreckten Arm. Ein direkter Unfall ist selten. Das mittlere Drittel ist am häufigsten (80% der Fälle) betroffen.

Claviculapseudarthrose:
Falschgelenkbildung der Clavicula.

Frozen Schulter: Schultersteife.
Ein Synonym für eine verklebte Gelenkkapsel (adhaesive Capsulitis) mit Bindegewebsveränderungen und Schrumpfung der Gelenkkapsel mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung des Schultergelenkes. Vorwiegend sekundär entstanden als ursprünglich primär. Ca. 60% sind Frauen im Alter meist zwischen 40-60. Lebensjahr betroffen.

Habituelle Luxation:
Herausspringen des Schulterarmkopfes aus der Schultergelenkspfanne, wobei die Richtung der Instabilität vordere und untere 95% ausmachen und die anderen hintere oder multidirektionale d.h. in alle Richtungen ca 5%.

Habituelle Schulterluxation:
Willkürliches Herausspringen des Oberarmkopfes aus der Pfanne bei Alltagsbewegungen und fehlender Unfallsymptomatik.

Impingementsyndrom:
in der Schulter Engpasssyndrom unter dem Schulterdach Jobe-Test:
Test für den oberen Grätenmuskel, bei dem der Patient den ausgestreckten Arm abspreizt und 20 Grad nach vorne neigt, dabei zeigt der Daumen nach unten. Beim Test fordert der Arzt den Patienten auf, den Arm in dieser Stellung gegen den Widerstand des Arztes nach oben zu drücken. Schmerzen und/oder Kraftlosigkeit weisen auf eine Verletzung des oberen Grätenmuskels hin.

Infraspinatustest:
Test des unteren Grätenmuskels. Der Ablauf des Tests ist genauso wie bei dem oberen Grätenmuskel, aber nun zeigt der Daumen nach oben.

Nervenbedingte Schulterverletzung (Schulteramyotrophie):
Infektionskrankheiten, Muskelschmerzen (Myopathie).

Nervus suprascapularis Kompression:
Einengung (Kompression) des Nervs in der Einkerbung des Schulterblattes, meist durch indirekten Unfall z.B. Sturz auf den ausgestreckten Arm und/oder durch ein Ganglion (Ausstülpung). Selten durch chronische Kompression wie z.B. Turnen ausgelöst.

Omarthrose:
Arthrose im Schultergelenk

Omarthritis:
Entzündung des Schultergelenkes.

Osteonekrose des Humeruskopfes:
Durchblutungsstörung des Humeruskopfes aufgrund Unterbrechung der Blutzufuhr. Die Ursachen sind vielfältig: Unfall, Alkoholmissbrauch, Sichelzellenanämie, Medikamente z.B. Kortison, Chemotherapie, Taucherkrankheit (Caissonkrankheit), nervenbedingt, Geschlechtskrankheiten, Diabetes mellitus usw.)

Rotatorenmanschettenruptur:
Unfallbedingt selten, häufiger verschleißbedingter Riss des Sehnenmantels der Rotatorenmanschette zum Teil oder komplett mit Verbindung zum Schleimbeutel und dem Schulterdach. Männer zu Frauen 10:1, meist Alter über 50 Jahre, rechte Schulter stärker als linke Schulter betroffen. Im fortgeschrittenen Alter sind Risse auf verschleißbedingter Basis zunehmend, ab dem 60. Lebensjahr Zurückhaltung mit OP angezeigt.

Scapula alata:
Einseitig abstehendes Schulterblatt. Ursache: meist unbekannt, selten eine Lähmung des Muskulus serrator anterior z.B. durch Druck beim Tragen eines schweren Rucksackes, Gips nach Operation.

Scapulafrakturen:
Frakturen im Bereich des Schulterblattes, wobei man unterscheidet zwischen Körper- und Fortsatzfrakturen, Halsfrakturen und/oder Gelenkfrakturen.

Scapularistendopathie:
Selten, häufig bei jüngeren Patienten. Meist aufgrund Überlastung durch plötzliche Anspannung bei vorgedehnter Muskulatur (z.B. Aufschlag beim Tennis). Häufig degenerativ bei Frauen zwischen 40 und 70 Lebensjahren aufgrund einer beginnenden Entzündung des unteren Schulterblattmuskels.

Scapulothorakales Syndrom (Schulterblattkrachen):
Hörbares und fühlbares auch willkürlich auslösbares Krachen des Schulterblattes. Auch eventuell mit Schmerzen im oberen/inneren Scapulawinkel.

Schultergelenksluxation:
Der Oberarmkopf steht nicht mehr in der Pfanne sondern ist aus dem Gelenk herausgesprungen (luxiert).

Sprengel-Deformität:
Angeborener Schulterblatthochstand, welches sich nach oben innen verschiebt und häufig eine Rotatorenfehlstellung aufweist. Dies ist meist einseitig und fast oft in Kombination mit anderen Fehlbildungen. Frauen häufiger als Männer betroffen.

Sternoclaviculargelenksluxation:
Meist durch einen indirekten, seitlich entstandenen Unfall mit Hebeln des mittleren Schlüsselbeinendes über die Rippe und Herausspringen nach vorne und/oder oben.

Supraspinatussehnensyndrom:
Verschleißbedingte Veränderung im Bereich der oberen Grätenmuskelsehne begünstigt durch eine häufig angeborene Enge in diesem Bereich. Es kommt zu einem mechanischen Reizzustand der Sehne und eventuell begleitend zu einer Schleimbeutelentzüdung unter dem Schulterdach (Bursa subacromialis) durch Druck- und Reibeanstrengung bei Anspannung und Abspreizen. Die schon reduzierte Durchblutung im Bereich der Zone des Sehnenansatzes wird vermindert durch einen herabhängenden Arm (Wringing out Phänomen). Häufig bei Schwimmern und Langstreckenläufern zu beobachten. Folge ist - aufgrund der Muskelschwäche - ein Oberarmkopfhochstand und eine Ausprägung des Engpasssyndromes in Form eines Impingementsyndromes.

Tendinitis calcarea:
Tendinitis calcarea ist eine reaktive Kalkablagerung in den Sehnenansätzen bei Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette. Zu 90% sind oberer und unterer Grätenmuskel betroffen.

Tendinitis des M. bizeps brachii:
Sehnenentzündung im Verlauf des Muskulus bizeps brachii, der von der Schulter in der Bizepssehnenrinne (Sulcus bizeps brachii) bis zum Ellenbogen ausstrahlen kann.

Tendinosis calcarea:
Verkalkung an der Schulter, häufig aufgrund von Überbelastung Traumatische Schultergelenksluxation:
Unfallbedingte Schultergelenksluxation. Bei Patienten unter 45 Jahren ist eher die Pfannenrandzone betroffen (schlechte Heilungschancen), bei Patienten über 45 Jahren Riss der Kapsel (größere Heilungsschancen, geringere Wiederholungsrate).

Unspezifische Sternoclaviculagelenksarthritis:
Unklare Gelenkentzündung im Bereich des Schlüsselbeingelenkes, meist bei Frauen im mittleren Lebensalter bei unbekannter Ursache.